An Tagen wie diesen

(und ich finde dieses Lied, so wie nahezu alles, was die Hosen nach spätestens 2000 gemacht haben, ganz grauenhaft)

7.57 Der Bus fährt mir vor der Nase weg, der hätte doch eigentlich erst in einer Minute kommen sollen, dann halt den nächsten, dann krieg ich den Anschluss auch noch.

8.07 Der Bus sollte schon seit einer Minute da sein, ich habe nur zwei Minuten zum Umsteigen.

8.15 Ich schreibe meinen Kolleginnen, dass ich später komme.

8.17 Der Bus kommt. Ich finde meine Fahrkarte nicht. Jetzt ist es auch egal, ich suche in Ruhe und warte auf den nächsten.

8.18 Der Bus ist da und die Fahrkarte auch.

8.26 Anschluss erwischt. Vermutete Verspätung: 10 Minuten.

8.45 Tatsächliche Verspätung: eine Viertelstunde. Ist ja nur ein Gespräch mit einem rechtlichen Betreuer wg. einer akut schizophrenen Klientin.

9.10 Gespräch vorbei. Der Betreuer will das Wochenende abwarten, die Klientin sagt, sie wird ihre Medikamente wieder nehmen. Ich glaube nicht daran.

9.15 Mein Bus kommt. Voll wie eine U-Bahn in Tokio. Ich warte auf den nächsten.

9.50 Vor dem Büro wartet schon mein nächster Termin. Ärger mit dem Amt wegen zu viel bezahlter Leistungen. Verdacht des Sozialbetrugs. Dummerweise eventuell berechtigt, wenn auch vermutlich nicht aus bösem Willen, sondern aus Unwissenheit. Aber die schützt ja bekanntlich vor Strafe nicht.

11.00 Mittlerweile hat Frau Wintour noch einmal mit dem Betreuer gesprochen und ihm verschiedene Informationen gegeben, die sie von Bekannten der Klientin bekommen hat. Und die allesamt für einen sehr heftigen Krankheitsschub sprechen. Der Betreuer meint, wir warten ab. Wenn sie ihre Tabletten wieder nimmt, könnte es sich wieder geben.
Dafür müsste sie allerdings zum Arzt, ich glaube nicht, dass das passiert und ich kann es ihr nicht abnehmen.

11.15 Die Mitbewohnerin der Klientin macht sich Sorgen und fragt, was sie machen soll, wenn es schlimmer wird. Das wüsste ich auch gern. Polizei oder Krankenwagen nehmen sie nur mit, wenn sie im Moment ihrer Anwesenheit eine akute Gefahr feststellen. Und sie kann sich noch ganz gut verstellen, wenn es sein muss. Frau Wintour schlägt vor, sich mit den Eltern der Klientin in Kontakt zu setzen. Wir arbeiten sonst nicht mit Eltern aber in diesem Fall besteht ein gutes Verhältnis.

11.45 Langes Gespräch mit der Mutter. Die Mitbewohnerin darf sich gern bei ihr melden, falls etwas ist.

12.00 Hätte ich nicht eigentlich vor einer Stunde einen Termin gehabt?

12.05 „Hallo, Frau Schmitz, wo sind Sie denn?“ „Unser Termin ist doch erst morgen!“ „Nee, heute, um 11.00.“ „Ich habe mir Donnerstag aufgeschrieben.“ „Heute ist Donnerstag.“

Dann halt Papierkram.

13.15 Teambesprechung. Mehr Betreute als Zeit.

15.00 Dienstschluss.

15.05 Regen, was sonst.

3 Antworten zu “An Tagen wie diesen

  1. – Hey, es gibt ein ganz gutes Lied von Fettes Brot, was auch so heißt. (Hab auch zuerst daran gedacht und war dann irritiert.)
    – Das mit den verpeilten Terminen kenn ich auch. Bitter ist nur, wenn Freunde so was abziehen. Dauernd.

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