Studenten fragen, Dozenten antworten – im Prinzip

Der Samsag fing schon gut an. Im Seminar saßen von zwölf Studenten sechs. Ich hätte auch gern ausgeschlafen.
Nach einer Dreiviertelstunde trudelten dann noch drei Leute ein. Wenigstens etwas.
Grundsätzlich habe ich im Seminar bei Frau Taupe immer das Gefühl, dass sie eine andere Sprache spricht als sämtliche Studenten. Bei den meisten Dozenten ist es ja so, dass zumindest ein paar Studenten verstehen, was gesagt wird. Hier nicht.
Wenn man irgendwann das Gefühl hat „Ah, jetzt weiß ich, was sie meint!“, folgt kurz darauf ein Moment völliger Verwirrung, weil sie entweder alles zuvor Gesagte zurück nimmt oder relativiert.
Gelegentlich merkt sie, dass ihr niemand folgen kann. Dann kommt der Satz: „Kann jemand Ihren Kommilitonen erklären, was ich gerade gesagt habe?“ Und danach Schweigen. Bei neun Anwesenden ist das ziemlich anstrengend.

Auch schön sind Nachfragen von Studenten zu Dingen, die sie gesagt hat.
„Das haben wir alles schon besprochen.“ Wann denn? Ich war nur einmal nicht da, da können wir unmöglich alles besprochen haben, was jetzt nachgefragt wird. Zumal ich dann die einzige Stunde verpasst hätte, in der sie logisch und inhaltlich nachvollziehbar doziert hätte.
Überhaupt hätte ein anderer Dozent dieses Seminar in kürzerer Zeit mit mehr verständlichem Inhalt füllen können.
„Ich sehe schon, dass Sie sich schwer tun.“ Ja, woran liegt das denn? Ich sitze in diesem Seminar jetzt seit zwei Semestern und weiß immer noch nicht, was Sie eigentlich von mir wollen.
Studentin: „Ich habe mir beim letzten Mal aufgeschrieben, dass wir das so machen sollen.“
Zweite Studentin: „Ja, das hab ich hier auch stehen.“
Frau Taupe: „Nein, so können Sie das nicht machen.“
Ja wie denn dann? Ich will doch nur Antworten. Wie soll ich denn jemals diese Hausarbeit schreiben?
Die beste und häufigste Antwort war aber: „Im Prinzip schon.“ Einfach so, ohne weitere Erklärungen. Im Prinzip ist doch keine Antwort!

Dann ging es um die Sinnhaftigkeit des Seminarinhaltes an sich: „Wenn Sie möchten, dass über Sie gesagt wird, dass Sie keinen orthographisch und grammatikalisch korrekten Satz schreiben können, sollten Sie das Seminar besser verlassen.“
Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Ich bin durchaus auch ohne dieses Seminar in der Lage dazu. Was ist denn das für eine Selbstüberschätzung? Normalerweise hätte ich an diesem Punkt angefangen, zu diskutieren aber ich weiß, dass bei ihr so etwas in die Benotung negativ einfließen würde. Und da die Note in diesem Modul leider einen recht großen Prozentsatz meiner Gesamtnote ausmacht, habe ich den Mund gehalten. Meine Note für eine Diskussion, die zu nichts führt, zu riskieren, muss nicht sein.

In zwei Monaten muss ich die Hausarbeit abgeben. Das kann interessant werden.