Liegengebliebenes (2.0)

Dieses Mal sogar im wörtlichen Sinn. Ich hatte meinen Blog-Block verlegt (von dem ich mir ja eigentlich vorgenommen hatte, ihn immer bei mir zu tragen, wenn ich unterwegs bin) und deswegen sind einige Dinge bisher unerwähnt geblieben.

Beispielsweise Neues von Gisela. Da Iris noch immer krank geschrieben ist, teile ich mir momentan die Schichten mit Gisela. Das hat den Vorteil, dass ich sie die meiste Zeit nicht sehe (Anm.: wenn Iris da ist, arbeite ich nur als zweite Kraft an Wochenenden, momentan übernimmt Mike den Job und ich bin Kassenkraft). Zwischenzeitlich lässt es sich aber doch nicht vermeiden, mit ihr zu reden.
Wir haben neue Besitzer (d.h. das Gebäude), zwei junge Männer um Ende zwanzig, vermutlich kroatischer oder russischer Abstammung und sehr freundlich. Als die Handwerker da waren, um die Heizung zu reparieren (die jetzt, wo es wärmer wird auch durchgängig funktioniert), kamen auch die beiden. Giselas Reaktion war: „Wie können die sich denn so was leisten? Irgendwas habe ich falsch gemacht, wahrscheinlich die Leute nicht genug betrogen.“
Aaaaalso, erstens bin ich mir sicher, dass sie das nicht gesagt hätte, wenn die beiden Deutsche wären und zweitens nicht genug betrogen? Du hattest einen eigenen Laden und ich habe gerade Mitleid mit sämtlichen deiner ehemaligen (und eigentlich auch jetzigen) Kunden.

Am Tag, als meine Oma gestorben ist, hatte ich Frühdienst. Da ich nach Erhalt der Nachricht nicht mehr bis zum Ende der Schicht arbeiten konnte, habe ich Gisela angerufen, ob sie früher kommen könne. Sie sagte zu und war etwa zwei Stunden später (!) dann auch da. Als ich ihr erzählte, was passiert ist, sagte sie, dass bei ihr in der Bekanntschaft in letzter Zeit ja auch ganz viele Menschen gestorben seien und dass sie erst letzte Woche auf einer Beedigung gewesen sei und…
Wohlgemerkt, ich hatte kurz zuvor erst erfahren, dass meine Oma gestorben war. Was für eine Art Wettbewerbsdenken ist das denn? Ich glaube, weder sie noch Tante Hildegard merken, was sie tun.
An diesem Tag war übrigens auch Mike da. Nachdem ich ihm gesagt hatte, was los ist, sah ich schon den Bewegungsimpuls und sagte den Satz, an dem er jetzt noch zu knabbern hat: „Wenn du mich jetzt umarmst, muss ich dich leider schlagen.“
Er bestreitet hartnäckig, dass er das tun wollte. Aber Mike ist, was mich betrifft ein ziemlicher Opportunist.

Oh, und Kunden:
„Na, am Wochenende Party gemacht?“
Der Mann, der mich das fragte, ist Ende fünfzig, Anfang sechzig. Leider ist das ungefähr die Altersklasse, in der ich für Männer interessant bin (nicht, dass es relevant ist, aber 25-35 wäre mir lieber). Er sucht momentan immer nach einem Grund, sich noch mit mir zu unterhalten. Ich hatte es vielleicht schon mal erwähnt, ich bin eine Niete im Smalltalk, das geht also nach hinten los. Gestern stand er vor mir, hatte bezahlt, schaut mich an und sagt: „Und nu?“
Ich: „Gibt es ein und nu?“
Er (grinst): „Ich weiß ja nicht.“
(Ja was denn? Soll ich dich fragen, ob du heute Abend schon was vorhast?)
Ich: „Ich weiß nichts.“
Und damit ging er.

Ein Anderer erzählte mir fünf Minuten lang, wie schlecht die Welt ist und verabschiedete sich dann mit strahlendem Lächeln und einem: „Ich wünsche Ihnen noch einen wunderschönen Tag.“

In der Kategorie „Seltsame Kundengeschenke“ gibt es auch Neues. Ein paar Tage vor Aschermittwoch kam ein Bauarbeiter in den Markt, erledigte seinen Einkauf und drückt mir dann einen Beutel in die Hand: „Das ist für Sie.“
Darin befanden sich ein Partyhut, Konfetti und eine rote Nase. Wuhu.

Am Samstag tauchte Gustav auf  und hatte eine Frucht in der Hand. Mit leicht verzweifelter Stimme fragte er:
„Littlemissbad, was ist das? Ich kenn das nicht. Ich mag das nicht. Magst du? Was ist das? Nimm.“
„Gustav, das ist eine Mango.“
„Willst du? Ich kenn das nicht, ich ess das nicht. Da, nimm.“
Was der Bauer nicht kennt…

Aber mein wirkliches und positives Highlight in letzter Zeit war der Besuch an meiner ehemaligen Praxisstelle.
Es tut dem Ego verdammt gut, wenn man von einer ehemaligen Klientin mit den Worten „Die Sonne geht auf!“ begrüßt wird und eine andere anfängt, freudig zu kreischen.